Herbst

Unheimlich ist es jetzt im Wald und im Nebel scheint man dunkle Gestalten zu sehen, aber wenn man dann näher kommt sind es nur Büsche und Bäume.

Ein leichter Wind streicht durch die Bäume … es riecht modrig … es riecht nach Herbst. Blätter fallen durch die Feuchtigkeit schwer zu Boden und es ist glitschig und glatt auf dem unebenen Waldboden.

 

Nur langsam schafft es die Sonne sich durch den Nebel zu kämpfen. Es ist traumhaft jetzt hier zu wandern … man hat das Gefühl ganz allein auf der Welt zu sein …

 

Dann liegt meine Lichtung vor mir … über den Bäumen die Sonnenstrahlen und auf dem Feld noch ein Nebelteppich.

Der alte knorrige Baumstamm unter meiner Eiche ist feucht und doch setzte ich mich. Ich schließe meine Augen und lausche dem Gesang der Vögel.

 

Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich genieße die Wärme ihrer Strahlen.

Ein Geräusch lässt mich aufschrecken und ich suche den Waldrand mit meinem Blicken nach der Ursache forschen … und dann sehe ich das Reh … es steht ganz ruhig am Rand des Feldes und schaut zu mir herüber. Nach einer Weile beginnt zu äsen … immer mit einem misstrauischen Blick zu mir.

 

Nun sind auch die letzten Nebelschwaden verschwunden, der Tau blitzt auf den Blättern wie Diamanten, filigrane Netzwerke ziehen sich durch die Gräser und kunstvoll gesponnene Spinnennetze spannen sich zwischen verwelkten Halmen.

Herbstspaziergang

 

 

Wieder geht es auf meinem alten Pfad durch den nun herbstlichen Wald. Neblig und kalt ist es jetzt schon und die Bäume werfen ihre letzten Blätter ab. Kaum ein Laut ist zu hören ausser das rascheln des Laubes unter meinen Schuhen und das Gezwitscher einzelner Vögel.

 

Ohne ein weiteres Geräusch hat sich das Reh in den Wald zurückgezogen. Ein leichter Wind lässt die Blätter der Bäume über das Feld tanzen.

 

Ein Marienkäfer hat ebenfalls meinen alten knorrigen Baumstamm als Landeplatz auserwählt und sitzt nun ganz still und genießt genau wie ich die immer wärmer werdende Sonne. Eine Hummel auf der Suche nach den letzten Blumen brummt an mir vorbei.

 

Aus dem nächsten Ort höre ich Hundegebell und die Kirchturmuhr schlagen. Aber ich zähle die Schläge nicht … ich möchte hier noch eine Weile verweilen.

 

Dann höre ich ihr Geschnatter schon lange bevor ich sie sehe ...

 

Fotos: Astrid Benz

… eine große Schar Gänse zieht über mir in Richtung Süden … schwer wird es mir ums Herz … denn nun zieht der Sommer endgültig mit ihnen … ich rufe ihnen eine gute Reise hinterher und es scheint, als ob sie mir antworten würden … „nächstes Jahr da kommen wir wieder“!

 

Auch der Marienkäfer ist vom Baumstamm verschwunden … nur über dem Feld summt und brummt es noch und die Vögel zwitschern unermüdlich in den Zweigen.

 

Es wird nun Zeit für mich zu gehen … aber Morgen, da komme ich wieder … zu meinem alten knorrigen Baumstamm unter der alten Eiche.

 

 

 

Astrid Benz